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Philosophie Politische Theorie

Arbeiten um zu überleben. Von den Ursprüngen der Arbeitsgesellschaft

In ihrem Hauptwerk „Vita Activa“ beschäftigt sich Hannah Arendt ihrer Einleitung zufolge mit einer scheinbar einfachen Frage: Was tun wir, wenn wir tätig sind? Insbesondere beantwortet sie die Frage: Wie sind wir in der Arbeitsgesellschaft gelandet, in der jeder arbeitet, um zu überleben? In diesem Beitrag möchte ich dir abrissartig einige ihrer wichtigsten Gedanken dazu vorstellen. Dazu benötigen wir aber erstmal ein bisschen Vokabular. Also: Vokabelheft raus, mitschreiben!

Einleitende Begriffsklärungen

Was sind Vita Activa und Vita Contemplativa?

Die Vita Activa verschreibt ihr Leben dem Tätigsein in der Welt. Arendt unterscheidet hierbei zwischen drei Arten des Tätigseins: Der Arbeit, dem Herstellen und dem Handeln. Das Denken selbst ist zwar ebenfalls eine Tätigkeit, fällt aber aus den drei Arten heraus und besitzt einen Sonderstatus. Die Vita Contemplativa besteht gegenüber der Vita Activa darin, sein Leben dem Anschauen des Ewigen zu widmen, das sich sprachlich nicht mehr adäquat wiedergeben lässt. Wir können hierbei beispielsweise an eine platonische Ideenschau denken, oder an einen buddhistischen Mönch der sich vollständig in eine meditative Versenkung begibt.

Was versteht Arendt unter Arbeiten?

Mit Arbeiten bezeichnet Arendt alle Tätigkeiten, die sich aus der Notwendigkeit des Organismus zum Überleben ergeben. Das paradigmatische Beispiel für Arbeit ist die Bearbeitung des Ackers: Es ist erstens eine Notwendigkeit, da der Organismus Nahrung zum Überleben benötigt. Es ist zweitens eine immer wiederkehrende Notwendigkeit, da auch der Organismus fortwährend auf Nahrung zum Überleben angewiesen ist. Mit der Arbeit wird man deshalb gewissermaßen nie fertig: Auch wenn man sein Tagewerk erledigt hat und sich ausruhen kann, ruft am nächsten Tag erneut die Arbeit. Drittens sind die Früchte der Arbeit vergänglich, insofern der Organismus sie verzehren und damit vernichten muss, um am Leben zu bleiben. Arendt nennt die Arbeitsprodukte daher auch Konsumprodukte. Konsumprodukte werden hergestellt, um verbraucht zu werden. Der Mensch als Verfertiger von Konsumprodukten wird von Arendt auch animal laborans (lat.: das arbeitende Tier) genannt.

Was versteht Arendt unter Herstellen?

Der Mensch bewegt sich ganz selbstverständlich inmitten einer von ihm selbst geschaffenen Welt, die im Vergleich mit den Konsumprodukten von relativ längerer Dauer ist. Man denke hierbei etwa an Gegenstände wie Tische, Schuhe, elektronische Geräte oder Werkzeuge. Diese Dinge werden nicht zum Verbrauch geschaffen, sondern für den regelmäßigen Gebrauch. Sie nutzen sich zwar mit der Zeit ebenfalls ab und werden damit möglicherweise unbrauchbar – aber im Gegensatz zu den Konsummitteln ist der Verbrauch nicht der Sinn und Zweck dieser Gebrauchsgegenstände. Der Mensch als Hersteller von Gebrauchsgegenständen wird von Arendt auch homo faber (lat.: der schaffende Mensch) genannt.

Einen Sonderstatus innerhalb des Herstellens nehmen Kunstwerke ein: Sie sind nicht zum Gebrauch gedacht und werden deshalb nicht nach Zweck-Mittel-Maßstäben beurteilt, sondern einfach nach der Art ihres Soseins. Während homo faber also üblicherweise die Gegenstände nach ihrem Nutzen beurteilt, transzendiert die Kunst dieses Denken und bietet einen Anlass, die Welt von einem anderen Gesichtspunkt zu betrachten.

Was versteht Arendt unter Handeln?

Der Handlungsbegriff bei Arendt unterscheidet sich radikal vom alltäglichen Handlungsbegriff, und es ist wichtig, sich dies von vornherein klar zu machen, um in ihren Aussagen nicht völligen Schiffbruch zu erleiden. Alltägliche Beispiele für Handlungen wären etwa die folgenden: Ich schmiere mir ein Brot, ich koche mir einen Kaffee, ich fahre mit dem Auto zur Arbeit, und so weiter. Alle diese Tätigkeiten fallen für Arendt aber nicht unter den Handlungsbegriff, sondern letztlich unter den Arbeitsbegriff, insofern sie dem Erhalt des Organismus dienen (Brot schmieren und Kaffee kochen direkt, zur Arbeit fahren indirekt).

Handeln und Sprechen hat hingegen für Arendt etwas mit dem zu tun, was sie das Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten nennt. Der Mensch existiert nicht nur in einer Welt von Sachen, sondern auch in einer sozialen und politischen Welt der menschlichen Beziehungen. Diese Beziehungen lassen sich nach Arendt nicht so einfach auf einen Begriff bringen, ebenso wenig wie die Individualität jedes einzelnen Menschen selbst. Sobald wir versuchen, individuelle Beziehungen und Menschen in Worten zu beschreiben, können wir nur ganz abstrakte Eigenschaften nennen, die den Menschen in seiner ganzen Individualität eben nicht erfassen, weil sie auch von anderen Menschen geteilt werden.

Aber auch wenn Worte das Phänomen menschlicher Beziehungen und menschlicher Individualität nicht erfassen können, ist das Phänomen trotzdem real. Arendts Metapher für diese Welt der sozialen Beziehungen ist eben das Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten, in dem die Menschen wie einzelne Fäden in einem Leinentuch miteinander verwoben sind. Handeln und Sprechen ist nun innerhalb der Vita Activa nach Arendt dadurch ausgezeichnet, dass es Veränderungen im Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten hervorruft und auslöst. Den Menschen als handelndes Wesen bezeichnet Arendt auch als zoon politikon (griech.: Lebewesen in der Polis).

Für Arendt sind dabei aber zwei wesentliche Gesichtspunkte zu beachten. Erstens ist es für kein Individuum vorhersehbar, welche Folgen seine Veränderungen im Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten letztlich haben. Erst im Rückblick können wir die die Veränderungen im Bezugsgewebe verstehen, indem wir sie in die Form einer Geschichte fassen.

Hier ein aktuelles Beispiel: Die AfD wurde als Zusammenschluss von Wirtschaftswissenschaftlern gegründet, die sich aus wirtschaftspolitischen Gründen gegen die EU und den Euro gestellt haben. Das hat im Bezugsgewebe menschlicher Angelegenheiten nicht weniger als eine Eruption ausgelöst: Die Partei gelang es, scharenweise Protestwähler und andere Gruppierungen für sich zu gewinnen, die aus ganz anderen, nationalistischen Gründen gegen die EU und den Euro waren. Letztlich haben die Nationalisten unter den Parteimitgliedern die Führung und Deutungshoheit übernommen und führten die Partei zu Erfolgen als Alternative am äußeren rechten Rand – ein Ergebnis, das von den Gründern der AfD sicherlich nicht vorhergesehen wurde, was sich daran ablesen lässt, dass sie die Partei mittlerweile wieder verlassen haben.

Der zweite für Arendt wesentliche Gesichtspunkt, unter dem wir das Handeln und Sprechen verstehen müssen, ist die Tatsache, dass man nicht nur die Veränderungen im Bezugsgewebe selbst erst im Nachhinein versteht, sondern dass man auch sich selbst erst durch das Handeln und Sprechen selbst versteht, ja sich selbst erst dadurch konstituiert. Man erscheint erst dann wirklich als ein Individuum in der Welt, wenn man handelnd und sprechend in das Bezugsgewebe eingreift, und diese Eingriffe wiederum offenbaren sich selbst und der Welt erst, wer man eigentlich ist. Dies ist allerdings nicht fatalistisch gemeint: Arendt betont, dass Handeln und Sprechen bereits mit der Geburt beginnen als absoluter Neuanfang – und ein solcher (Neu-)Anfang ist im Handeln und Sprechen immer wieder möglich. Insofern bilden Handeln und Sprechen gerade die Sphären menschlicher Aktivität, in denen der Mensch sich wirklich frei wähnen kann.

Der Wandel geschichtlicher Konstellationen von Vita Activa und Vita Contemplativa

Das Hauptanliegen von Arendts Buch besteht meines Erachtens nun aber nicht in der begrifflichen Zergliederung und Analyse von Vita Activa und Vita Contemplativa, sondern in dem Nachweis, dass das Verhältnis von Vita Activa und Vita Contemplativa sich im Laufe der Menschheitsgeschichte mehrfach gewandelt hat. Einige der wichtigsten dieser Wandlungen möchte ich im Folgenden kurz nachzeichnen.

Die Ablösung der Vita Contemplativa durch homo faber

Während in Antike und Mittelalter noch die ruhige Anschauung des Wahren, Guten und Schönen als eine der höchsten Lebensformen geschätzt wurde, um derentwillen man überhaupt seine Zeit hier auf Erden verbringen sollte, kam es in der Neuzeit zu einem gewaltigen Bruch, den Arendt auf Galileis Erfindung des Teleskops zurückführt, um damit die Sterne zu beobachten.

Diese Erfindung hatte unter anderem zwei große Konsequenzen. Zum einen wurden zur Beobachtung von Naturphänomenen erstmals Instrumente hergestellt, in die Welt von Vita Contemplativa brach also gewissermaßen homo faber ein, um die Dinge noch genauer betrachten zu können.

Die zweite Konsequenz aber war noch gravierender: Homo faber entdeckte, dass wir durch unsere Sinnesorgane ohne instrumentelle Hilfsmittel permanent getäuscht werden! Mithilfe des Teleskops erkannte homo faber, dass sich die Sonne eben nicht um die Erde dreht, wie es unsere Sinne uns nahelegen. Stattdessen konnte der Nachweis geführt werden, dass sich im Gegenteil die Erde um die Sonne dreht – eine Denkmöglichkeit, über die vorher schon spekuliert wurde, die aber erst mit der Erfindung des Teleskops ihren Siegeszug antreten konnte.

Das bedeutet aber auch, dass man sich auf seine Sinne nicht mehr verlassen konnte – damit begann der rasende Abstieg der Vita Contemplativa und der Siegeszug des homo faber im Bereich der Wissenschaft. Und in der Tat gilt heute weithin, dass wir wissenschaftlich nur das wirklich verstanden haben, was wir im Labor – also in einer künstlich hergestellten Umgebung – verifiziert haben.

Die Ablösung des zoon politikon durch homo faber

In der Antike wurde die Arbeit gemeinhin verachtet, weshalb man sie – wenn man die Möglichkeit hatte – seinen Sklaven überließ. Diese Menschen erfüllten damit die Aufgabe, sich um das Lebensnotwendige zu kümmern, damit der Hausherr frei war für die politischen Geschäfte in der Polis.

Die Polis diente hierbei nicht primär dem Überleben der Gemeinschaft als Ganze – dafür war bereits der jeweilige Haushalt zuständig. Vielmehr war das politische Leben innerhalb der Polis dem guten Leben gewidmet. Der Mensch erfüllt demnach erst als zoon politikon seine eigentliche Natur und Bestimmung. Man kann hierbei an zwei herausragende Menschen denken, die selbst keinerlei schriftliches Werk hinterlassen haben, sondern allein handelnd und sprechend ganze Epochen beeinflusst haben: Sokrates und Jesus von Nazareth.

Den Keim für die Ablösung des Handelns durch das Herstellen sieht Arendt bereits bei Platon gegeben. Auf den ersten Blick scheint Platon mit seiner Ideenlehre eher für die Vita Contemplativa zu plädieren. Aber Arendt argumentiert überzeugend dafür, dass die Ideenlehre bei Platon sich am Modell des homo faber orientiert, der zuerst einen Einfall – eine Idee! – für einen Gegenstand hat, um diesen Gegenstand dann am Vorbild der Idee in die Welt zu bringen.

Entsprechend findet man bei Plato eben auch die Anwendung der Ideenlehre auf das politische Leben: Die Philosophenkönige sind diejenigen, die die Idee des Guten und Gerechten schauen, um danach den gerechten Staat einzurichten. Alle Nichtphilosophen sind von der Lenkung des Staates – und damit vom politischen Leben – automatisch ausgeschlossen. Der späte Platon wiederum vertritt den Standpunkt, dass man nur die richtigen Gesetze bräuchte, um einen gerechten Staat zu schaffen. Letztlich geht es ihm also darum, etwas herzustellen – in diesem Fall Gesetze –, was für die Lenkung des Staates sorgt.

Vollends zur Reife ist die Ablösung des Handelns durch das Herstellen aber erst in der Neuzeit gekommen, als der Siegeszug von homo faber im Bereich der Naturwissenschaft zu der weit verbreiteten Überzeugung geführt hat, dass es auch im Bereich des Sozialen darum gehen muss, die Methoden der Naturwissenschaft konsequent anzuwenden. Die Gesellschaft wurde nicht mehr als Pluralität von Individuen verstanden, die in unvorhersehbarer Weise miteinander handelnd interagieren, sondern als eine Art amorphe Masse, in der die Gesetze der Statistik und der großen Zahlen Gültigkeit haben müssten. Die Gesellschaftswissenschaften zielten nun darauf ab, diese Gesetze offenzulegen und Möglichkeiten zu finden, diese Masse durch geeignete Formen der Regierung in gewünschte Bahnen zu lenken.

Die Ablösung des homo faber durch animal laborans

Der Mensch wird in eine Welt geboren, die vor ihm bereits da war, und wenn er sie mit seinem Tod wieder verlässt, wird sie immer noch da sein. Mit anderen Worten: Die Welt überdauert den Menschen, zumal das Individuum, und insofern macht es guten Sinn, die Welt als etwas Höheres zu achten als das Individuum.

Genau dies war auch die antike Sicht der Dinge, bis ein einzelner Mensch dieses Denken gehörig auf den Kopf gestellt hat: Jesus von Nazareth. Ihm zufolge ist die Welt nur ein vorübergehender Aufenthaltsort, um den man sich nicht sonderlich zu bekümmern hat. Viel wichtiger als die weltlichen Angelegenheiten ist demgegenüber das eigene Seelenheil, denn die Seele selbst ist unsterblich und wird nach dem Tod in einer neuen Welt wieder auferstehen, die mit dieser Welt nicht mehr viel gemein hat. Nach dieser neuen Lehre überdauert also das Individuum diese Welt, und das individuelle Leben selbst ist heilig.

Nun leben wir nicht mehr in einem christlichen Zeitalter, sondern im Zeitalter der Wissenschaft – aber die Botschaft der Endlichkeit der Welt wurde von der Wissenschaft nicht nur widerlegt, sondern bestätigt: Die Welt, ja das ganze Universum hatte einen Anfang im Urknall, und die Welt, jedenfalls die Erde, wird spätestens dann aufhören zu existieren, wenn die Sonne sie sich in ihrem kosmischen Ausdehnungsprozess in fünf Milliarden Jahren einverleibt hat. Von einem kosmischen Standpunkt betrachtet macht es also wenig Sinn, der Welt etwas Dauerndes hinterlassen zu wollen: Nichts, absolut nichts ist von Dauer!

Im Zeitalter der Wissenschaft glauben wir allerdings nicht mehr an die Kernbotschaft des Evangeliums, dass der Mensch unsterblich ist. Die Lehre von der Heiligkeit des Lebens ist aber demungeachtet immer noch virulent – bloß dass es nur noch ein einziges Leben gibt, und zwar das Leben hier und jetzt auf Erden. Dementsprechend wird alles Tun und Streben auf dieser Erde diesem höchsten Zweck untergeordnet: Nützt es dem Leben hier und jetzt? Denn mit leeren Händen sind wir gekommen, mit leeren Händen werden wir gehen – das einzige, was wir wirklich haben, ist das Leben hier und jetzt.

Das bedeutet aber, dass sich alle Tätigkeiten letztlich dem einzigen Zweck unterordnen, der zugleich eine Notwendigkeit darstellt: Der Notwendigkeit des Organismus zu überleben. Und so finden wir uns in einer historischen Epoche wieder, die zu einer Arbeitsgesellschaft geworden ist. Man arbeitet, um Geld zu verdienen, und man verdient Geld, um zu überleben. Die dazu passende wissenschaftliche Geschichte ist ebenfalls schnell erzählt: Es ist die Geschichte des Darwinismus. Der Mensch ist nur ein Tier unter anderen, und am Ende des Tages sind alle Tiere vor allem dies: Animal laborans, von Natur aus gepolt auf Überleben, sowohl als Individuum als auch als Gattung. Das ist die kosmische Geschichte, nach der unsere Gesellschaft ihr Leben eingerichtet hat.

Wozu der ganze Aufriss?

Der geneigte Leser stellt sich vielleicht die folgende Frage: Was bringt mir das alles? Diese Frage würde bereits Arendts These bestätigen, dass homo faber einen gesellschaftlichen Durchmarsch gemacht hat, denn das Zweck-Mittel-Denken ist gerade eine der wesentlichen Eigenschaften von homo faber, der ja vor allem Gebrauchsgegenstände anfertigt, die zu irgendetwas nütze sind. Aber niemand hat gesagt, dass Arendts Text zu irgendetwas nütze ist – nicht einmal Arendt selbst. Für sie ist ihr Text selbst eine Besinnung und soll zu weiterer Besinnung anregen.

Aber nun meldet sich vielleicht eine nächste Stimme, die fragt: Besinnung hin oder her – was soll mir das in meinem täglichen Hustle bringen? Ich habe genügend andere Sorgen als einen Text einer toten Philosophin aus den fünfziger Jahren durchzuackern: Von Besinnung allein landet kein Brot auf dem Tisch! Und diese nächste Stimme bestätigt nur Arendts Diktum, dass wir alle animal laborans geworden sind: Unsere größte Sorge ist es, genügend Geld zu verdienen, und das Geld brauchen wir vor allem, um überhaupt am Leben zu bleiben. Das ist der Sinnhorizont, vor dem sich unser alltägliches Leben abspielt.

Na gut, höre ich eine letzte Stimme fragen, mag sein, dass Arendt mit ihrer Diagnose gar nicht so falsch liegt. Die Frage ist doch: Was folgt daraus? Welche Konsequenzen können wir daraus ziehen? Hannah Arendt bietet auf diese Frage keine Antwort – genauso wenig wie ich. Aber eines wird nach der Beschäftigung mit dem Buch Vita Activa ganz deutlich: Die Geschichten und Sinnstrukturen, an denen sich die Menschen in ihrem Leben orientieren, sind nicht in Stein gemeißelt, sondern wandeln sich im Zuge geschichtlicher Umwälzungen, die wiederum jeweils durch die Taten von Menschen initiiert wurden.

Zugleich wird aber auch klar, dass diese Wandlungen sich nicht gerade über Nacht vollziehen, sondern das stetig vollbrachte Werk vieler aufeinanderfolgender Generationen sind. Insofern sind keine Wundertaten zu erwarten. Trotzdem: Personen wie Jesus oder Sokrates werden nicht geahnt haben, dass ihr scheinbar flüchtiges Handeln und Sprechen in einem beschränkten Personenkreis tatsächlich das gesamte Abendland entscheidend mitprägen würden. Vielleicht sollte man also nicht auf irgendwelche Veränderungen warten, sondern ganz einfach im eigenen Umfeld beginnen zu… handeln!

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