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Wie viele Götter hat das Christentum? Über die logische Inkonsistenz des Dogmas der Trinität

Die logische Inkonsistenz des Dogmas der Trinität

Wie viele Götter hat das Christentum? Für einen gläubigen Christen scheint die Antwort auf der Hand zu liegen: Selbstverständlich ist die Vielgötterei ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten; wir glauben nicht mehr an Zeus oder Poseidon, an Neptun oder Jupiter, oder an irgendeine andere Gottheit aus der Antike oder Frühzeit: Wie glauben an den einen Gott, der sich durch die Bibel offenbart hat.

Aber andererseits stehen die Dinge auch nicht ganz so einfach, denn viele Christen glauben, dass dieser eine Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, dass also Gott selbst vor etwa 2000 Jahren auf dieser Erde gewandelt ist und mithilfe des ebenfalls göttlichen Heiligen Geistes zahlreiche Wunder gewirkt und inspirierte Reden und Predigten gehalten hat – oder anders formuliert: Christen glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Verkompliziert wird die ganze Angelegenheit noch dadurch, dass sich der eine Gott im Alten Testament unter dem Namen Jahwe dem Mose offenbart hat. Wir haben nun also vier Namen für den einen Gott: Jahwe, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Welche Identitätsbeziehungen herrschen zwischen den durch diese Namen bezeichneten Entitäten?

Zunächst einmal erscheint es offensichtlich, dass der Vater den Sohn erschaffen hat und nicht umgekehrt. Demzufolge müsste gelten:

(1) Der Vater ist nicht identisch mit dem Sohn.

Zwar sagt Jesus im Johannes-Evangelium: „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10, 30) Aber traditionellerweise wird dieser Vers meines Wissens so ausgelegt, dass sowohl Jesus als auch der Vater identisch mit dem einen Gott sind. Wenn wir davon ausgehen, dass es dieser eine Gott ist, der sich im Alten Testament als Jahwe zu erkennen gegeben hat, können wir also sagen:

(2) Der Vater ist identisch mit Jahwe.

(3) Der Sohn ist identisch mit Jahwe.

Nun sieht es aber so aus, als würden wir direkt in einen logischen Widerspruch laufen. Denn aufgrund der Symmetrie der Identitätsbeziehung folgt aus (3):

(4) Jahwe ist identisch mit dem Sohn.

Und aufgrund der Transitivität der Identitätsbeziehung folgt aus (2) und (4):

(5) Der Vater ist identisch mit dem Sohn.

Aber (5) ist gerade die Negation von (1): Wir haben also einen logischen Widerspruch in der christlichen Doktrin der Trinität.

Im folgenden Absatz werde ich mich intensiv mit einem Lösungsvorschlag für dieses Problem auseinandersetzen. Wer des Englischen nicht mächtig ist, wird zum Verständnis einen Übersetzungsdienst wie Google Translate bemühen müssen, da ich viele Originalzitate verwenden werde, um den Witz des Lösungsvorschlags nicht kaputt zu machen. Da ich den Lösungsansatz zurückweisen werde, kann man aber auch alternativ den Abschnitt einfach überspringen und sich gleich mit der Frage befassen, wie auf die Widersprüchlichkeit der Trinitätsdoktrin zu reagieren ist.

Van Inwagens Lösungsvorschlag in „Three Persons in One Being“

Peter van Inwagen, selbst gläubiger Christ sowie fähiger Philosoph mit interessanten Ansichten, versucht in seinem Buchartikel „Three Persons in One Being“ eine Lösung dieses Problems. Grundlage seines Lösungsvorschlags ist seine Einschätzung, dass eine Lösung des Problems allein darin bestehen kann, dass etwas mit der Logik der Identität nicht stimmt: Denn wie wir eben gesehen haben, benötigen wir für die Herleitung des logischen Widerspruchs lediglich die Symmetrie und die Transitivität der Identitätsbeziehung.

Nun ist es meines Erachtens äußerst schwierig zu sagen, was denn an der Symmetrie oder der Transitivität der Identitätsbeziehung bitte schön falsch sein sollte. Wenn A identisch mit B ist, dann sollte doch auch B identisch mit A sein; und wenn A identisch mit B und B identisch mit C ist, dann sollte A auch identisch mit C sein – können wir uns überhaupt vorstellen, dass es anders sein könnte?

Aber betrachten wir van Inwagens Lösungsvorschlag. Sein erster Schachzug besteht darin zu bestreiten, dass es eine universelle Identitätsrelation überhaupt gibt. Anstelle einer Identitätsrelation, die bezüglich aller Entitäten definiert ist, sollte man übergehen zu verschiedenen Identitätsrelationen, die nur bezüglich Entitäten gewisser Arten definiert sind. Beispiele für solche relativen Identitätsrelationen wären: „A ist derselbe Stuhl wie B“, „x ist derselbe Mensch wie y“, „S ist dieselbe Person wie P“, und so weiter.

Auch wenn ich mich für einen vergleichsweise offenen Menschen halte, muss ich zugeben, dass ich bereits an dieser Stelle das Gefühl habe, in einen Taschenspielertrick hineingezogen zu werden: Denn was ist bitteschön an der „relativen“ Identitätsrelation „x ist dieselbe Entität wie y“ auszusetzen? Aber wenn diese Identitätsrelation zulässig sein sollte: Wie kann dann der logische Widerspruch in der Trinitätslehre verhindert werden, der mit dieser „relativen“ Identitätsrelation konstruiert wird?

Aber sehen wir trotzdem zu, wie van Inwagen weiter verfährt. Seiner Ansicht nach muss das logische Problem irgendwie durch die Reflexivität der Identität sowie das Leibnizsche Gesetz der Ununterscheidbarkeit identischer Entitäten herbeigeführt worden sein, denn aus diesen folgen Symmetrie und Transitivität der Identität aus logischen Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen will.

Die Reflexivität der Identität besagt, dass jedes Ding identisch mit sich selbst ist. Für die relativen Identitätsrelationen gilt die Reflexivität aber nur in eingeschränkter Form: Denn wir wollen beispielsweise nicht sagen, dass Sokrates dasselbe Pferd wie Sokrates ist, weil das implizieren würde, dass Sokrates ein Pferd ist.

Die Ununterscheidbarkeit identischer Entitäten besagt, dass identische Entitäten die gleichen Eigenschaften haben, oder anders formuliert: Identische Entitäten lassen sich nicht anhand ihrer Eigenschaften unterscheiden. Van Inwagen sagt nicht genau, für welche relativen Identitätsrelationen diese Regel außer Kraft gesetzt sein soll – aber da Reflexivität und Ununterscheidbarkeit identischer Entitäten bereits Symmetrie und Transitivität der Identitätsrelation implizieren, muss ja mit diesem Prinzip irgendetwas nicht stimmen.

Als nächstes wird es jedoch völlig verrückt: Van Inwagen postuliert, dass zwar die Reflexivität der Identität und die Ununterscheidbarkeit identischer Entitäten im Allgemeinen aufgehoben sind, dass aber trotzdem Symmetrie und Transitivität der relativen Identitätsrelationen axiomatisch gelten sollen. Das erscheint zwar intuitiv äußerst plausibel – denn wenn sie für die universale Identitätsrelation gültig sind, müssten sie für die relativen Identitätsrelationen erst recht gültig sein. Aber es fragt sich doch, wie denn auf dieser Grundlage noch der logische Widerspruch verhindert werden kann – denn wir erinnern uns: Der logische Widerspruch leitete sich allein aus Symmetrie und Transitivität der Identitätsrelation her.

Hier packt van Inwagen seinen nächsten Schachzug aus: Ein eindrucksvolles Damenopfer! Er sagt nämlich, dass singuläre Termini in einer Logik der relativen Identität nicht verwendet werden dürfen. Singuläre Termini, also Worte, die einzelne Gegenstände bezeichnen, wie beispielsweise „Sokrates“, „Aristoteles“ oder „der Eiffelturm“, sind van Inwagen zufolge so sehr mit der Logik der universalen Identität verfilzt, dass die Logik der relativen Identität mit ihnen ihren ganzen Witz verlieren würde.

Nun ist natürlich unsere gesamte Alltagssprache vollgestopft mit singulären Termini, und nicht nur diese: Auch Gott höchstpersönlich hat sich in der Bibel mit dem singulären Terminus „Jahwe“ belegt. (Wollte er uns damit etwa irreführen?) Wir brauchen also auch in der Logik der relativen Identität irgendeine Möglichkeit, uns auf einzelne Ob- und Subjekte wie den Vater, den Sohn, den Heiligen Geist oder Jahwe zu beziehen. Wie machen wir das?

Van Inwagen schlägt vor, den Vater und den Sohn durch ihre Beziehungen zueinander zu definieren: Der Vater ist der, der alles erschaffen hat, und der Sohn ist der, durch den alles erschaffen worden ist. Der Vater wird dementsprechend durch die folgende Phrase definiert, die ich hier im Original anführe:

„Something begets and whatever begets is the same person as it and it made all things.” (S. 95)

Der Sohn hingegen wird durch die folgende Phrase definiert:

„Something is begotten and whatever is begotten is the same person as it and all things were made through it.” (S. 95)

Definieren wir nun noch mit van Inwagen den einen Gott, der sich selbst den Namen Jahwe gegeben hat, wie folgt:

„Something is divine and anything divine is the same being as it, and it spoke by the prophets.” (S. 95)

Worauf van Inwagen nun hinaus möchte, scheint mir das folgende zu sein: Selbst wenn die Worte „Vater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“ dasselbe Being bezeichnen, nämlich Jahwe, so kann man trotzdem sagen, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist unterschiedliche Personen sind. Diese These ist natürlich immer noch nicht klar: Wie können wir einsehen, dass wir nicht dennoch in einen Widerspruch laufen? Denn der sich als Jahwe zu erkennen gebende Gott des Alten Testaments scheint doch ebenfalls eine Person zu sein – aber wenn der Vater und der Sohn dasselbe Being sind wie Jahwe, sind sie dann nicht auch dieselbe Person wie Jahwe? Und folgt daraus nicht wiederum, dass Vater und Sohn dieselbe Person sind?

Folgen wir van Inwagens Argumentation weiter und explizieren die Aussagen, dass der Vater und Jahwe dieselbe Person sind:

(2*) „Something x begets and whatever begets is the same person as x and something y is divine and whatever is divine is the same being as y and x is the same person as y.” (S. 95)

Weiter lässt sich die Aussage, dass der Sohn und Jahwe dieselbe Person sind, wie folgt schreiben:

 (3*) „Something x is begotten and whatever is begotten is the same person as x and something y is divine and whatever is divine is the same being as y and x is the same person as y.” (S. 96)

Die Aussage, dass der Vater dieselbe Person wie der Sohn ist, lautet schließlich wie folgt:

(5*) „Something x begets and whatever begets is the same person as x and something y is begotten and whatever is begotten is the same person as y and x is the same person as y.”

Van Inwagens zentrale Behauptung ist nun, dass (5*) nicht logisch aus (2*) und (3*) folgt. Daher lasse sich widerspruchsfrei vertreten, dass der Vater dieselbe Person ist wie Jahwe, dass der Sohn dieselbe Person ist wie Jahwe, und dass der Vater nicht dieselbe Person wie der Sohn ist – und es sind genau diese Aussagen, die eine wohlverstandene Doktrin der Trinität nach van Inwagens Ansicht vertritt.

Aber stimmt es wirklich, dass sich (5*) nicht aus (2*) und (3*) logisch herleiten lässt? Schreiben wir doch einmal die Konjunktion aus (2*) und (3*) explizit (aber ohne Doppelung und umsortiert) auf:

(2*)&(3*): Something x begets and whatever begets is the same person as x and something x’ is begotten and whatever is begotten is the same person as x’ and something y is divine and whatever is divine is the same being as y and x is the same person as y and x’ is the same person as y.

Mithilfe der Symmetrie der Relation „is the same person as“ können wir daraus schließen:

(6) Something x begets and whatever begets is the same person as x and something x’ is begotten and whatever is begotten is the same person as x’ and something y is divine and whatever is divine is the same being as y and x is the same person as y and y is the same person as x’.

Nun folgt aus (6) aber aufgrund der Transitivität von „is the same person as“ bereits die folgende Aussage:

(7) Something x begets and whatever begets is the same person as x and something x’ is begotten and whatever is begotten is the same person as x’ and something y is divine and whatever is divine is the same being as y and x is the same person as x’.

Lassen wir aber nun die Konjunkte über das divine being y weg und benennen stattdessen die Variable x‘ in y um, so erhalten wir:

(8) Something x begets and whatever begets is the same person as x and something y is begotten and whatever is begotten is the same person as y and x is the same person as y.

Schauen wir genau hin, so erkennen wir, dass (8) gerade die Aussage (5*) ist, das heißt: Der Vater ist dieselbe Person wie der Sohn. Autsch: Das war einfach! Wie kommt van Inwagen auf die Idee, dass sich (5*) nicht logisch aus (2*) und (3*) herleiten lässt, wo der Nachweis doch so simpel ist?

Sein Argument für seine These beruht auf einer Analogie zu einem (scheinbar) logisch äquivalenten und konsistenten Modell, in dem die Aussagen (2*), (3*) und (nicht-5*) erfüllt sind. Hier ist van Inwagens kleine Geschichte im Originalton:

„There are exactly two dogs in Ivan’s shop. They are of the same breed and are for sale at different prices. One barks at the other, and the other never barks at all.” (S. 96)

Diese Situation können wir uns problemlos vorstellen. Der Einfachheit halber nennen wir den Hund, der den anderen anbellt, Viktor; und wir nennen den Hund, der selbst nicht bellt und angebellt wird, Simon. Stellen wir uns nun weiter vor, dass das Universum lediglich aus Ivans Laden besteht, so gelten offensichtlich die folgenden Aussagen:

(2#) „Something x barks and whatever barks is the same price as x and something y is a dog and whatever is a dog is the same breed as y and x is the same price as y.” (S. 96)

Die Zeugen für die Richtigkeit dieser Aussage sind x = y = Viktor.

(3#) „Something x is barked at and whatever is barked at is the same price as x and something y is a dog and whatever is a dog is the same breed as y and x is the same price as y.” (S. 96)

Die Zeugen für die Richtigkeit dieser Aussage sind x = y = Simon.

Nun ist aber die folgende Aussage in unserem Modell offensichtlich unwahr:

(5#) „Something x barks and whatever barks is the same price as x and something y is barked at and whatever is barked at is the same price as y and x is the same price as y.” (S. 96)

Denn um die ersten beiden Konjunkte wahr zu machen, müssen wir für x Viktor und für y Simon einsetzen – aber dann wird das letzte Konjunkt falsch, denn Viktor und Simon kosten nicht dasselbe. Also sind die Aussagen (2#), (3#) und (nicht-5#) logisch konsistent, denn Ivans Laden ist ein Modell für die Richtigkeit dieser Aussagen, das wir uns problemlos vorstellen können.

Die logische Konsistenz von (2*), (3*) und (nicht-5*) ergibt sich van Inwagen zufolge nun daraus, dass wir doch offenbar folgende Ersetzungen durchführen dürfen: Ersetze „barks“ durch „begets“, „barked at“ durch „begotten“, „same price as“ durch „same person as“ und „same breed as“ durch „same being as“ und erhalte so aus (2#), (3#) und (5#) die Aussagen (2*), (3*) und (5*). Wenn nun die #-Sätze zusammen genommen unwahr sein können, dann müssen auch die *-Sätze zusammen genommen unwahr sein können – das heißt aber nichts anderes, als dass sich (5*) nicht logisch aus (2*) und (3*) herleiten lässt!

Nun haben wir aber bereits gesehen, dass sich (5*) sehr wohl logisch aus (2*) und (3*) herleiten lässt – das heißt, van Inwagen muss irgendeinen Denkfehler begangen haben. Aber welchen? Ich muss zugeben, dass ich etwa eine halbe Stunde gebraucht habe, um den Fehler zu sehen: Er besteht in der Ersetzung von „same price as“ und „same breed as“ durch „same person as“ und „same being as“: Die ersteren Begriffe folgen einer ganz anderen Logik als die zweiteren!

Um sich dies klar zu machen, genügt es, sich einfach folgende Frage zu stellen: Ist ein Hund ein Preis? Oder ist ein Hund eine Rasse? Offensichtlich nicht! Also funktionieren „same price as“ und „same breed as“ nicht genauso wie „same person as” und “same being as”: Denn während wir aus der Aussage „x is the same person as y“ folgern dürfen, dass x und y Personen sind, dürfen wir aus der Aussage „x is the same price as y“ im Modell von Ivans Laden offensichtlich nicht folgern, dass x und y Preise sind!

Nun scheint van Inwagen zu denken, dass das kein sonderliches Problem ist – aber ich würde zu gerne mal wissen, durch welche relativen Identitätsrelationen denn „same price as“ oder „same breed as“ ersetzt werden könnten. Nehmen wir einmal „same breed as“, und nehmen wir an, dass beide Hunde Bulldoggen sind. Dann könnte man versuchen, „same breed as“ durch „same bulldog as“ zu ersetzen – doch man wird feststellen, dass die Beispielsätze dann falsch werden, da es keinen Hund y gibt, für den gilt, dass jeder Hund die gleiche Bulldogge wie y ist.

Noch schwieriger wird es aber, einen Ersatz für die Identitätsrelation „same price as“ zu finden. Nehmen wir an, der erste Hund kostet 100$ und der zweite Hund kostet 200$. Würde man versuchen wollen, „same price as“ beispielsweise durch „same 100$-dog“ zu ersetzen, so wird man feststellen, dass man „same price as“ an anderen Stellen durch „same 200$-dog“ ersetzen muss, damit die Aussagen nicht falsch werden. Dann bricht aber die Analogie zu „same person as“ vollends zusammen.

Zu guter Letzt – denn aller guten Dinge sind drei – ist die Analogie nicht vollständig. Selbst wenn es kein Problem wäre, mit den Relationen „same breed as“ und „same price as“ zu hantieren, wäre ein logisch analoges Modell für die Aussagen (2*), (3*) und (nicht-5*) erst dann konstruiert, wenn es in Ivans Shop zusätzlich einen dritten Hund namens Jahwe gäbe, der von der gleichen Rasse wie die anderen Hunde wäre und außerdem genauso viel kosten würde wie beide Hunde. Eine solche Situation wäre aber logisch widersprüchlich, da ein Hund nicht zugleich 100$ und 200$ kosten kann. Also funktioniert der Analogieschluss nicht, den van Inwagen hier zieht – was wir natürlich schon wussten, da wir (5*) aus (2*) und (3*) logisch hergeleitet haben.

Was lernen wir aus van Inwagens Scheitern?

Es bleibt also dabei: Auch Peter van Inwagen gelingt es in „Three Persons in One Being“ nicht, das Dogma der Trinität widerspruchsfrei zu formulieren. Vielmehr legt er nur noch mehr offen, wie tiefgreifend das Problem ist: Selbst durch Preisgabe einer universalen Identitätsrelation sowie singulärer Termini gelingt es ihm nicht, eine logisch widerspruchsfreie Version des Trinitätsgedankens zu formulieren. Warum nicht?

Nun, es ist eigentlich ganz einfach: Von der Symmetrie und der Transitivität der Identitätsrelation möchte sich van Inwagen mit guten Gründen nicht verabschieden – denn was soll das für eine Identität sein, die nicht symmetrisch oder transitiv ist? Können wir es überhaupt verstehen, wenn jemand sagen würde: „A mag zwar identisch mit B und B mag identisch mit C sein – aber deshalb ist A noch lange nicht identisch mit C!“? Oder wenn man sagen würde: „A mag zwar identisch mit B sein – aber deshalb ist B noch lange nicht identisch mit A!“? Ich glaube nicht, dass das irgendeinen Sinn ergibt.

Wir haben aber ebenfalls gesehen, dass für die Herleitung des logischen Widerspruchs in der Trinität nichts weiter gebraucht wird als die Symmetrie und die Transitivität der Identität – und alle komplizierten logischen Verrenkungen und Verklausulierungen ändern nichts an dem Umstand, dass van Inwagen an diesen beiden Eigenschaften der Identitätsrelation festgehalten hat, was sein Projekt zwangsläufig dem Untergang weihen musste.

Leider scheint er durch seine eigene Verkomplizierung des Sachverhalts selbst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr gesehen zu haben – was freilich auch für seine Leser und Zuhörer zu gelten scheint, da die in „Three Persons in One Being“ vorgeschlagene Lösung auf seinem eigenen Paper „And Yet They Are Not Three Gods but One God“   basiert, das er bereits 15 Jahre zuvor veröffentlicht hat: Auf nennenswerten Widerspruch scheint er also nicht gestoßen zu sein.

Zwei naheliegende Reaktionen auf die logische Widersprüchlichkeit des Dogmas der Trinität

Die erste Reaktion: Gottes Vernunft ist höher als die menschliche Vernunft

Ich kann mir vorstellen, dass viele gläubige Christen (und vielleicht sogar ausgebildete Theologen) auf die logische Widersprüchlichkeit des Dogmas der Trinität wie folgt reagieren werden: Das Dogma der Trinität drückt eine göttliche Wahrheit aus, die höher ist als alle bloß menschliche Logik. Es mag zwar sein, dass die Trinität in unserer beschränkten menschlichen Logik widersprüchlich erscheint, aber in der höheren göttlichen Vernunft löst sich der Widerspruch in Wohlgefallen auf. Die Trinität ist demnach etwas, an das wir glauben sollten, auch wenn wir uns dabei in logische Widersprüche verwickeln. Eine Position, die meines Erachtens in diese Richtung geht, wird in diesem Video vertreten.

Auf diese Reaktionsmöglichkeit geht auch van Inwagen in erwähntem Paper ein und weist sie entschieden zurück: Die Idee, dass irgendetwas höher als die menschliche Logik ist, ergibt nicht nur keinen Sinn: Für einen gläubigen Christen grenzt sie van Inwagen zufolge sogar an Blasphemie! Denn Jesus Christus ist für ihn nicht nur der Weg und das Leben, sondern auch die Wahrheit und das Licht – und alles, was wahr ist, muss zumindest in dem Sinne klar sein, dass es keine offenbaren inneren logischen Widersprüche enthält.

Wir können diesen Gedanken auch konkreter formulieren. Wer an die Doktrin der Trinität glauben möchte, hat zwei Optionen. Er muss entweder glauben, dass der Vater nicht identisch ist mit dem Sohn (1) und zugleich identisch ist mit dem Sohn (5). Das bedeutet, dass er glauben muss, dass (1) und (5) wahre Aussagen sind. Dann muss er aber nicht nur angeben können, wie beides zugleich wahr sein kann: Er muss auch sagen können, wie er überhaupt beides zugleich glauben kann. Pointiert formuliert: Man kann zwar sagen, dass man glaubt, dass es quadratische Kreise gibt – aber man kann gar nicht glauben, dass es quadratische Kreise gibt. Und wenn man es nicht glauben kann, dann soll man es auch nicht – denn Sollen impliziert Können.

Oder er muss alternativ glauben, dass (1) wahr ist und (5) falsch. Dann muss er aber sagen können, welche der Aussagen (2), (3) und (4) er ablehnt und warum, oder er muss angeben können, warum aus (1), (2), (3) und (4) nicht (5) folgt. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass er die Logik der Identitätsrelation aufgeben muss – und die Frage ist, ob man das überhaupt anders begründen kann als dadurch, dass für einen gläubigen Christen einfach nicht sein kann, was nicht sein darf. Eine Möglichkeit der Revision haben wir oben bereits untersucht und für unzureichend erkannt. Ich bin aber durchaus empfänglich für weitere Vorschläge, auch aus der theologischen oder philosophischen Literatur. Der Kommentarbereich ist offen! Immer her mit den Vorschlägen!

Die zweite Reaktion: Eine Flucht ins Metapherngestöber

In diesem Video wird versucht, die Dreieinigkeit wie folgt zu erklären. Die drei Personen der Trinität antworten auf die Frage: Wer ist Gott? Die Dreieinigkeit Gottes antwortet hingegen auf die Frage: Was ist Gott? Wenn wir über Gott sprechen, gibt es demzufolge „three whos“ und „one what“. (Vgl. ca. Minute 13 des Videos.)

Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht und glaube, eine ganz gute Analogie gefunden zu haben, die diesem Gedanken nahekommt. Betrachten wir die siamesischen Zwillinge Abigail und Brittany Hensel: Sie sind zwei Personen, teilen sich aber einen Körper – oder anders: Sie sind zwei Personen, aber ein biologischer Organismus. Und analog wäre Gott dem Trinitätsgedanken zufolge drei Personen, aber ein being. Ich denke, dass man diesen Gedanken sehr gut nachvollziehen kann, und dass damit der Trinitätsgedanke gar nicht mehr so unplausibel oder gar logisch widersprüchlich erscheint.

Sehen wir aber weiter zu und fragen uns: Ist der eine biologische Organismus, den sich die zwei Hensel-Schwestern teilen, selbst eine Person oder nicht? Auch wenn er vielleicht juristisch in gewissen Kontexten als eine Person aufgefasst werden könnte – ich vermute, dass sie als Mathematiklehrerinnen nur ein Gehalt ausgezahlt bekommen, kann mich da aber auch täuschen! – so werden wir doch bestreiten, dass wir uns drei Personen gegenübersehen, wenn die Hensel-Schwestern vor uns stehen würden: Es erscheint mir sonnenklar, dass ich mich mit zwei Personen unterhalten würde und nicht mit drei.

Um die Analogie zur Trinität aufrecht erhalten zu können, müssten wir demnach sagen, dass der dreieinige Gott, also das eine being Gott, selbst keine Person ist. Nun hat aber der eine Gott des Alten Testaments sich den Namen Jahwe gegeben und sich dem Mose offenbart – es scheint daher äußerst unplausibel zu behaupten, dass der Gott Jahwe des Alten Testaments keine Person gewesen sei.

Aber wenn das so ist, dann kann man nicht nur fragen, was sich da für ein Gott im Alten Testament offenbart hat, sondern wer sich da offenbart hat. Aber wenn die richtige Antwort auf die Frage nach dem Wer Gottes in der Angabe von drei Personen besteht, dann hätte uns der alttestamentarische Gott ganz schön in die Irre geführt, wenn sein Name doch wörtlich besagt: Ich bin der ich bin! Und nicht etwa: Wir (drei) sind, die wir (drei) sind!

Wenn man daher die Dreieinigkeitslehre aufrechterhalten will, und zudem behaupten möchte, dass sich der dreieinige Gott im Alten Testament offenbart hat, dann muss man sagen, dass der dreieinige Gott selbst eine Person ist, nämlich die Person mit dem Namen Jahwe. Dann bricht aber die Analogie mit den Hensel-Schwestern zusammen: Denn nun ist der dreieinige Gott selbst eine (prima facie) vierte Person geworden – und die logische Widersprüchlichkeit der Trinität schnappt wie oben bereits ausgeführt erneut mit voller Wucht zu.

Gibt es weitere mögliche Reaktionen?

Ich bin mir sicher, dass es weitere Reaktionen auf die logische Widersprüchlichkeit der Trinität geben kann, geben wird, geben muss. Aber ich möchte sie nicht in diesem Text widerlegen, sondern in den Kommentaren. Daher meine Challenge: Wie versteht ihr die Trinität? Glaubt ihr, dass euer Trinitätsglaube logisch konsistent ist? Wollt ihr euren Glauben logisch prüfen lassen? Dann begebt euch gerne in die Kommentarspalte – ich warte dort auf euch.

Welche Konsequenzen hat die logische Widersprüchlichkeit des Trinitätsgedankens?

Ich gehe im Folgenden davon aus, dass der Trinitätsgedanke in der Tat logisch widersprüchlich ist und möchte abschließend fragen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind: Kann mir das als Christ nicht am Allerwertesten vorbei gehen?

Nun, eine erste Konsequenz wurde oben bereits angedeutet: Man kann vielleicht sagen, dass man an den dreieinigen Gott glaubt, aber wenn der dreieinige Gott logisch widersprüchlich ist, kann man nicht an ihn glauben, so sehr man sich auch anstrengen mag! Es ist einfach unmöglich, an die Existenz quadratischer Kreise zu glauben. Wenn du also am dreieinigen Gott festhältst und sagst, dass du an ihn glaubst, dann glaubst du de facto an keinen Gott mehr – auch wenn du glauben magst, dass es sich nicht so verhält.

Eine zweite Konsequenz könnte sein, dass du eben fortan an drei Götter glaubst: Den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. In diesem Fall möchte ich dir aber die Frage vorlegen: Welcher dieser Götter hat sich im Alten Testament offenbart? Ich vermute, du wirst dem Vater zuneigen. Aber dann solltest du dir die nächste Frage vorlegen: Wird sich der Vater, der sich im Alten Testament offenbart hat, darüber freuen, wenn du zwei andere Götter neben ihm anbetest, so sehr sich diese Götter auch auf ihn beziehen mögen? Oder brichst du damit das erste der zehn Gebote? Denk also lieber noch einmal scharf darüber nach, ob du diesen Weg wirklich gehen möchtest.

Eine dritte Konsequenz, die mit der zweiten eng zusammenhängt und die ich für mich selbst gezogen habe, lautet: Hinfort mit der Trinität! Hinfort mit dem Sohn als Gottesgestalt – Jesus hat uns doch durch sein Gebet selbst gelehrt, dass Gott unser aller Vater und wir mithin allesamt seine Söhne sind! Hinfort schließlich mit dem Heiligen Geist als personifizierte Gottheit: Wer ist überhaupt auf die hirnverbrannte Idee gekommen, dass der Heilige Geist eine Person ist? (Antworten auf diese Frage bitte gerne in den Kommentarbereich, ich weiß es wirklich nicht!) Kehren wir stattdessen um zu dem einen Gott und Vater, wie er sich im Alten Testament offenbart hat. Wenn das eine Konsequenz sein sollte, die dem Neuen Testament entgegen steht – nun, dann steht es um so schlimmer für das Neue Testament…

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