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Vier Gründe warum sich negative Gedanken nicht einfach stoppen lassen

Was ist der Gedankenstopp gegen negative Gedanken?

Eine weit verbreitete Übung gegen negative Gedanken ist der sogenannte Gedankenstopp. Mir wurde diese Übung einmal sogar von einem (sehr schlechten) Therapeuten empfohlen. Die Grundidee ist die folgende: Wenn du dich beim negativen Denken ertappst, sage dir laut und deutlich „Stopp!“. Möglicherweise musst du anfangs alle paar Sekunden „Stopp!“ sagen. Wenn das so ist, dann mach das. Du musst immer und immer wieder „Stopp!“ sagen, bis die negativen Gedanken weg sind. Übung macht den Meister!

Warum der Gedankenstopp kein guter Ratschlag ist

Es mag sein, dass der Gedankenstopp bei manchen Menschen tatsächlich funktioniert. Ich möchte diesen Menschen keine Lügen unterstellen. Aber aus meiner Sicht ist der Gedankenstopp nicht nur nutzlos, sondern kann sogar negative Nebenwirkungen haben. Dafür gibt es vier Gründe:

1. Gedanken lassen sich nicht auf Knopfdruck stoppen

Das Gehirn ist eine wunderbare Maschine, die pausenlos Gedanken generiert. Selbst im Schlaf hören wir nicht auf zu denken, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Dieses Organ auf Knopfdruck stoppen zu wollen ist in etwa so, als wollte man der Lunge befehlen, das Atmen einzustellen. Einige Zeit mag das gelingen. Aber irgendwann fängt die Lunge wieder an zu atmen, ob wir wollen oder nicht. Und genauso fängt das Gehirn wieder an zu denken, ob wir wollen oder nicht.

2. Wir denken automatisch an Dinge, an die wir nicht denken sollen

Jedes Kind wird die Aufforderung kennen: Versuch einmal nicht an Eisbären zu denken! Was passiert? Man denkt an Eisbären! Beim Gedankenstopp läuft es ähnlich: Hör auf negativ zu denken! Was passiert? Wir denken weiter negativ! Der Gedankenstopp kann also für sich genommen gar nicht funktionieren. Er läuft der Funktionsweise des Gehirns zuwider.

3. Wir machen uns unter Umständen Vorwürfe, dass der Gedankenstopp nicht funktioniert

Eine so einfache Übung, und doch klappt es einfach nicht – ich muss wohl selbst dafür einfach zu blöd sein. Mein Gehirn ist scheinbar kaputt, ich ticke nicht mehr ganz richtig, und so weiter. Wir sehen: Eine neue negative Denkspirale wird in Kraft gesetzt, weil der Gedankenstopp nicht funktioniert. Zumindest wenn man glaubt, dass er eigentlich funktionieren sollte. Der Ratschlag richtet also potentiell noch mehr Schaden beim gutgläubigen negativen Denker an.

4. Der Gedankenstopp untergräbt deinen Respekt vor dir selbst

Stelle dir folgendes Szenario vor: Eine gute Freundin von dir erzählt dir von einer Affäre und du möchtest sie darauf hinweisen, dass das vielleicht keine gute Idee von ihr ist. Aber jedes Mal wenn du sie für die Affäre kritisieren möchtest, ruft sie dir einfach nur laut „STOPP!“ entgegen. Kein Zuhören, keine Argumente, einfach nur „STOPP!“

Wäre das nicht extrem respektlos? Würdest du dich nicht darüber aufregen? Würdest du nicht selbst den Respekt verlieren und anfangen ihr wütend die negativsten Dinge an den Kopf zu schleudern?

Und was ist nun, wenn deine negativen Gedanken einen Teil deines Selbst spiegeln, der dich auf etwas hinweisen möchte, das in deinem Leben schief läuft – wie wird dieser Teil deines Selbst reagieren, wenn du ihm die ganze Zeit nur „STOPP!“ zurufst? Wird er nicht wütend werden und dir die übelsten Beschimpfungen an den Kopf werfen? Aber da du es nun selbst bist, der sich selbst beschimpft, können wir sagen, dass du offenbar keinen Respekt vor dir selbst hast.

Fazit

Der Gedankenstopp kann schon aus biologischen Gründen kein guter Ratschlag sein: Wir können unser Gehirn nicht durch bloße Willensanstrengung dazu bringen, seine Arbeit einzustellen. Aber psychologisch gesehen sind die Nebenwirkungen des Ratschlags sogar noch übler: Er suggeriert, dass mit uns etwas nicht in Ordnung ist, wenn der Gedankenstopp misslingt, und kann so zu weiteren negativen Denkspiralen führen. Außerdem untergräbt der Gedankenstopp die Achtung vor sich selbst – denn wer würde es anderen Menschen durchgehen lassen, wenn sie einem ständig „Stopp!“ ins Ohr schreien? Der Gedankenstopp gehört daher meines Erachtens auf den Müllhaufen der gut gemeinten psychologischen Ratschläge.

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