Ich habe einmal irgendwo bei Wittgenstein gelesen, es gebe beim Schreiben eine Zeit der Aussaat und eine Zeit der Ernte. Damit ist wohl gemeint, dass man das philosophische Schreiben nicht einfach erzwingen kann: Manche Fragen und Probleme müssen erst einmal im Geist gesät und beackert werden, damit sich daraus irgendwann eine lesenswerte Antwort entwickelt. Mir gefällt das Bild sehr gut, und ich glaube, da ist auch etwas Wahres dran.
Im Moment befinde ich mich entweder in der Zeit der Aussaat oder in einer Zeit des (kleineren) Umbruchs: Ich habe gerade kein philosophisches Problem, das mich beschäftigt, und ich habe mich nach der faszinierenden, aber auch enttäuschenden Lektüre von Christoph Menkes Theorie der Befreiung entschieden, eine Philosophie-Pause einzulegen: Ich sehe im Moment einfach keinen Sinn darin, mir Bücher durchzulesen, bei deren Lektüre ich zwischen Unverständnis und Widerstand oszilliere.
Auch um mir selbst meine Freiheit zu beweisen, habe ich daher beschlossen, mich in der nächsten Zeit in die Weltliteratur zu vertiefen. Dabei entstand sogleich das Problem, wie ich mich im Ozean der Weltliteratur zurechtfinden soll: Wo soll ich anfangen? Was ist lesenswert? Mein Ansatz ist nun der, dass ich mich vorerst an neuere Literaturnobelpreisträger halte: Wer einen so hoch dotierten Preis erhalten hat, sollte doch durchaus etwas Bemerkenswertes geschaffen haben.
Ich habe noch keine Ahnung, inwieweit ich es in der nächsten Zeit schaffe, mein selbst gestecktes Schreibpensum zu absolvieren. Vermutlich wird es etwas ruhiger in diesem Blog werden, denn ich bin mir noch nicht sicher, ob ich es schaffen werde, etwas Lesenswertes über Literatur zu schreiben. Falls das nicht der Fall ist, werde ich vielleicht in unregelmäßigem Abstand Album-Rankings meiner Lieblingskünstler veröffentlichen. Aber wer weiß, vielleicht mache ich aus meiner Zeit mit den Literaturnobelpreisträgern auch ein kleines Schreibprojekt – „Mein Jahr mit Literaturnobelpreisträgern“ oder so etwas in der Art. Ich weiß es noch nicht.
Aktuell bin ich noch nicht in die Literaturnobelpreisträger eingestiegen, sondern stecke in der Lektüre von Karl Ove Knausgårds Autobiographie (Band 2: Lieben). Ob ich darüber einen Text schreibe, weiß ich noch nicht. Aber es ist in gewisser Weise zugleich beängstigend und beruhigend, wenn man sieht, wie viele Jahre er suchend und tastend nach einem interessanten Romanprojekt Ausschau gehalten hat: An einer Stelle schreibt er, dass er nach seinem Debütroman in vier Jahren nichts als 800 Seiten mit unbefriedigenden Romananfängen produziert hat. Das ist einerseits beruhigend für mich, weil es zeigt, wie schwierig das Schreiben selbst für (spätere) Bestsellerautoren ist. Wenn man sich gerade wie ich in einer solchen Phase befindet, strahlt der Gedanke aber andererseits auch etwas zutiefst Beunruhigendes aus.
Kurz gesagt: Im Moment empfinde ich, was diesen Blog angeht, eine gewisse Leere; ein Vakuum, das gefüllt werden möchte, wobei ich überhaupt nicht weiß, womit ich es füllen soll. So kommt dann wieder ein selbstbespiegelnder Text wie dieser heraus, der für die bisherigen Leser des Blogs – Freunde und Familie – vielleicht trotzdem ganz interessant ist, einfach weil er über mich ist.
Sei es, wie es sei: Der werte Freund dieser kleinen Website möge für die Zukunft nicht mit täglichen, sondern nur noch mit wöchentlichen Texten rechnen, wenn überhaupt. Ich brauche eine kleine kreative Schaffenspause. Ich nehme im Kommentarbereich aber auch gerne Wünsche der Form „Schreib doch mal über XYZ!“ entgegen – das würde vielleicht auch meine Fantasie und meine Motivation anregen!